Die drei Siebe des Sokrates

Frank war so nett, mich in unserem aktuellen Mentaltrainingskurs an die drei Siebe des Sokrates zu erinnern. Höflich wie er ist, sagte er, die Idee der mentalen Filter sei nicht neu. Recht hat er. Ich glaube, die haben schon mehr als zweitausend Jahre auf dem Buckel. Aber in die Jahre gekommen sind sie noch lange nicht. Wer sie kennt und parat hat, erleichtert sich so manches Gespräch:

Die Geschichte der drei Siebe

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte:

Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!”

Halte ein!”, unterbracht ihn der Weise, hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?”

Drei Siebe?”, fragte der andere voller Verwunderung.

Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?”

Nein, ich hörte es erzählen und …”

So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?”

Zögernd sagte der andere: Nein, im Gegenteil …”

Hm”, unterbrach ihn der Weise, so lasst uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?”

Notwendig nun gerade nicht …”

Also”, sagte lächelnd der Weise, wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.”

Ach, manchmal wünschte ich mir, wir würden alle diese drei Siebe berücksichtigen, wie einfach wäre doch das Miteinander.


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